Sie hat sich entwickelt. So langsam. Immer stärker. Erst war es gar nicht zu bemerken. Es war mehr ein schleichender Prozeß. Sobald zuhause die Tür zugeklappt und die Schuhe schwungvoll in ihre Ecke befördert wurden, wird der Computer hochgefahren. manchmal drücke ich schon auf den Knopf, wenn ich die Schuhe noch anhabe. Habe überlegt, ob es möglich ist, den Computer an das Türschloß zu koppeln. Auch über eine Zeitsteuerung habe ich schon mehrfach nachgedacht!
Die Schuhe liegen inzwischen in ihrer Ecke. Vom Monitor stahlt mir ein wohlvertrautes Bild entgegen.
Meine Hand ergreift dieses kleine graue Nagetier. Mit leicht zittriger Hand führe ich den Pfeil auf dieses Symbol, das mich in seinen Bann gezogen hat. Klick-Klick. Und auf dem Bildschirm baut sich meine andere Realität auf. Nach wenigen Frames bin ich zuhause.
Um mich herum wird es Nacht. Meine Umwelt verschwimmt im Schwarz. Meine Augen saugen sich auf meinen sechsundzwanzig Zoll fest.
Es kann beginnen. The battle begins! Ich bin bereit zu fighten.
Der Blick rast zwischen den erscheinenden interessanten Punkten hin und her.
Meine Hand ist fest mit der Mouse verwachsen. Mein Arm hat eine Verlängerung in Form eines dünnen Kabels, welches mit direkt mit Tonnen von Chips verknüpft.
Auf dem Tisch zeichnet meine Mousehand Bewegungen, die ich in ihrer Komplexität nicht erfassen kann.
Ich arbeite mich durch virtuelle Welten. Mal gewinnt man, mal verliert man. Solange meine Gesamtstatistik positiv ist, wird das einkalkuliert und das ein oder andere Opfer gebracht.
Mein Wecker auf dem Tisch erinnert mich lautstark daran, das es fünf Stunden später ist. Zeit aus der virtuellen Welt in ein reales Bett zu wechseln.
Schweren Herzens speichere ich meine Highscoreliste.
Mit einem beherzten Klick verschwindet Solitär von meinem Bildschirm.
Gute Nacht!
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