Bin mal wieder au dem Weg um einige Vorurteile und landläufige Meinungen zu überprüfen und nebenbei noch die Wäscheberge in meiner Wohnung zu eliminieren. Habe also all meine Klamotten die einer Reinigung bedürfen in meine Tasche gepackt mich aufgemacht in einen dieser berühmt berüchtigten Waschsalons. Denen haftet ja das Vorurteil an, das es dort jede Menge verzweifelter und hoffnungsloser Singles gibt bzw. diese Lokalitäten nur von Individualisten bevölkert wird.
Für meine Person stimmt es in soweit, das ich Single, Individualisiert, prinzipiell Hoffnungslos aber nicht verzweifelt bin. Wer würde das auch schon von sich behaupten? Egal – Tasche geschnappt und auf geht es in die Kontaktbörse der jungen, wilden Bewohner dieser Stadt.
Kaum durch die Tür des selben gekommen, stelle ich auch schon fest, das die Vorurteile entweder nicht stimmen, oder aber es gibt hier in der Gegend keine Singles oder aber genügend Mama die günstig um die Ecke wohnen.
Die Erste Überraschung, ich bin mit mir ganz allein hier. Was nicht ist kann ja noch werden. Vielleicht sind sie alle erst auf dem Weg hierher. Woher sollen die auch wissen, das ich gerade jetzt hier eintreffe und ein Audienz gebe? Das nächste Mal werde ich sicherheitshalber einen Zettel an die Pinnwand des Ladens hängen.
Also werde ich erstmal anfangen zu erledigen weswegen ich zweitrangig hier bin. Beginne also damit meine textilien Vorwände die mich hierher getrieben haben in einer von Mama früher zu hause benutzten und wahrscheinlich immer noch gültigen Art und Weise in Hell und Dunkel zu trennen und die so entstandenen Häufchen Elend in diese runden Fernseher zu stopfen. Dann aber tut sich das erste Problem auf. Die Frage die sich mir stellt ist zwar nicht lebenswichtig aber hier nun von elementarer Bedeutung. Wie bekomme ich einen 5 Euroschein in den Münzschlitz. Ja ich weiß, rein stopfen geht fast immer, bringt mir aber wohl nichts außer den Verlust des selbigen. Nach leeren und durchsuchen sämtlicher Hosentaschen, auch die die sich schon in der Maschine befinden muss ich wohl den schweren Rückschlag akzeptieren, das ich hier mit einem 5 und einem 10 Euroschein sowie einer halben Handvoll Münzen die alle kupferfarben sind nicht viel anfangen kann. Nun kann ich mir vorstellen, warum man sagt es gibt in Waschsalons viele Verzweifelte. Jetzt gehöre ich dazu.
Mein fragend suchender Blick bleibt schräg gegenüber an einem Backwarenfachgeschäft kleben.
In diesem Moment reift in meinem Kopf das dämonische Vorhaben mich dort hineinzubegeben. Ganz allein und ohne Vorwarnung. Und mir ein Brötchen für vermutlich 15 Cent zu kaufen. Und den gesamten Einkauf mit einem wunderschönen, unpraktischen und mich zum Hassobjekt abstempelnden 10 Euroschein zu bezahlen.
Befürchte nur das hinter der Backwarenfachgeschäftsladentheke eine nicht allzu unansehnliche Bäckereiwarenfachgeschäftsangestellte steht, die potentiell in der Lage wäre mein und ihr Singleleben zu beenden. Nicht durch Mord – ich dachte eher an Sympathie.
Kann aber dann passieren das nach dem Blick auf meinen 10 Euroschein den ich im Tausch gegen ein Brötchen sowie eine Handvoll Kleingeld anzubieten gedenke der nächste Blick auf mich fällt und mir suggeriert „Arschloch“ oder aber die Variante des Mordes ganz aktuell zum Tagesthema wird.
Da denkt man nicht mehr an ein Date, sondern nur noch an Flucht, am besten in eine andere Stadt.
Egal. Ich habe die Wahl zwischen sauberer Wäsche und einem Vielleichtdate. Das aber dann in komisch riechender Kleidung. Entscheide mich für die Wäsche. Also los in den Laden. Fröhlich grinsend, wahrscheinlich für Fremde mit debil wirkendem Einschlag, ein Brötchen geordert und immer noch grinsend den 10 Euroschein hervor gezaubert.
Zu meiner Erleichterung stelle ich angenehm überrascht fest, das die Herrin der Backwaren potthäßlich und bei weitem nicht meiner Altersklasse, und noch nicht mal im Ansatz meinem Schönheits-, geschweige denn noch mit Alkohol hinzu bekommenden... Lassen wir das mal lieber weg.
Bin inzwischen stolzer Besitzer eines Brötchens, wahrscheinlich auch der eines Fluchs, aber eben auch einer Handvoll Münzen. Wieselflink also zurück zu den Reinigungsmaschinen und flott und mit leichter Hand ein paar meiner Münzen in den Automaten gesteckt. Virtuosen gleich gleiten meine Finger über die Klaviatur der Waschmaschinen um dem einen Maschinchen das notwendige weiße Pulver zu entlocken, das sich mit einem Sound eines sich gerade Erbrechenden in den extra dafür bereitstehende Behälter zu ergießen.
Inzwischen rotiert meine Wäsche eine gute halbe Stunde in diesen Dingern.
Ich bin immer noch allein in diesem Salon. Nun stellen sich mir die Fragen: Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Stadt, haben die alle Waschmaschinen zu hause oder ist einfach nur das Vorurteil voll für'n Arsch???

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