Da steht er nun der Baum. Grün. Mit bunten Akzenten, die der Vati mit Lametta und bunten Glaskugeln gesetzt hat. Und er sich auch. In den Sessel. Die Mutti mit den lieben Kleinen müssen irgendeinen Scheiß spielen, damit der Vati genug Zeit hatte, um aus der Krüppelkiefer einen halbwegs ansehnlichen Baum zu basteln. Er ist mit seiner Arbeit rundum zufrieden. Am Baum ist leider nichts rundrumes mehr zu erkennen. Gut das er in einer Ecke steht. Damit die Familienbande nicht weiter Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen muß und es schon vor der Bescherung Tränen gibt, fängt der Vati an die Geschenke, die er nach hause geschleppt und die die Mutti liebevoll eingewickelt hat, unter das zu drapieren, was er Weihnachtsbaum nennt. Ein großer Stapel für die lieben Kleinen.
Ein Flakon mit „Eau de Puff“ hat er selbständig eingewickelt. Den kriegt die Mutti, zusammen mit dem kleinen Geschenk, welches er noch versteckt im Schrank aufbewahrt. Das drückt er der Mutti erst heute Abend, wenn die lieben Kleinen schon im Bett liegen, in die Hand. Immer mit der Hoffnung, das die Mutti erst das Geschenk auspackt, und er anschließend die Mutti aus dem Geschenk auspacken kann. Das Jahr ist schließlich fast zu Ende, da kann man ja nochmal mit der Mutti ins Schlafzimmer verschwinden um nicht sofort einzuschlafen.
Und er hat sich auch Mühe gegeben. Ist durch diverse Geschäfte gelaufen. Immer wieder das Problem mit der Größe, die er sich ums Verrecken nicht merken kann. Was soll Mann da machen? Umtauschen is da wohl eine ganz schlechte Lösung! Dann wird es nämlich nichts mit dem geplanten Weihnachtsbeischlaf.
Aber er is ja einer von den Kreativen. Is mal in diesen und jenen Laden um endlich was zu finden, was mal frischen, beziehungsweise überhaupt erst mal Wind ins Schlafzimmer bringt.
Er hat endlich was gefunden. Da wird die Mutti aber Augen machen!
Jetzt aber erst mal die lieben Kleinen mit Geschenken ruhig stellen.
Tür auf. Den laufenden Metern die Kisten zugeteilt. Abwarten.
Die Zeit ist rum. Die Kinder verschwinden ins Bett. Jetzt ist seine Zeit gekommen!
Schnell die Tür der Gören lautlos von außen abgeschlossen. Sicher is sicher!
Und dann das Kistchen für die Mutti geholt.
Auf den Tisch stellen und dann am besten ganz unbeteiligt aus dem Raum in Richtung Schlafzimmer verschwinden.
Das wir dein Fest, ein Fest der Liebe. Wiederaufgeblüht nach Jahren!
Da liegt er nun der Vati. Bereit und geil. Erwartungsvoll und wild.
Ein kurzer, spitzer Aufschrei hallt ihm entgegen. So, denkt er sich, jetzt hat sie es gefunden und ausgepackt. Schön. Er kann sich das Strahlen auf ihrem Gesicht richtig vorstellen. Er hört schnelle Schritte, die näher kommen. Das steht sie auch schon in der Tür, die Mutti. In der einen Hand ein „Fastnichts“ zum Anziehen, in der anderen eine Lederpeitsche und ein Umschnalldildo. Ihr gestrenger Blick läßt ihn demütig und erwartungvoll zurückblicken. Sie dreht sich um und verschwindet. Er schließt, gierig auf das was ihn erwartet, die Augen und wartet auf die Dinge die ihm jetzt bevorstehen. Da ist die Mutti wieder. Sie springt aufs Bett. Ruckzuck donnert sie ihm eine mit der nigelnagelneuen achtundzwanzig Zentimeter Bratpfanne an den Schädel. Er ist sofort und ohne Verzögerung im Reich seiner Träume.
Die Mutti geht sich jetzt erstmal in der Kneipe um die Ecke Zigaretten holen...

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